Der große Realitäts-Check
Bürgerinitiative Wunstorf
Wir haben die Aussagen der Verwaltung geprüft. Hier sind die Fakten, die oft im Kleingedruckten verschwinden.
1. Bürgerbeteiligung & Mitbestimmung
Die Bürgerbeteiligung beginnt jetzt erst richtig mit der Gründung von Arbeitskreisen und einem Beirat.
In der offiziellen Vorlage steht ausdrücklich, dass beide Gremien keinen Einfluss mehr auf die Gestaltung nehmen können. Zudem werden die Gremien nach Vorstellung des Bürgermeisters nicht paritätisch besetzt.
Fazit: Die Arbeitskreise fungieren eher als „Feigenblatt“, da die wesentlichen Entscheidungen bereits ohne echte Mitwirkungsmöglichkeit der Betroffenen getroffen wurden.
2. Die Kosten-Falle für Anlieger
Die Sanierung wird durch hohe ISEK-Zuschüsse finanziert und ist daher für die Stadt und Bürger besonders günstig.
Die Zuschüsse decken keine Infrastrukturmaßnahmen wie Kanalisation oder Fernwärme ab.
- Infrastrukturkosten (Kanalisation) können auf die Anlieger umgelegt werden.
- Fernwärmeanschlüsse können per Satzung verpflichtend gemacht werden (fünfstellige Kosten je Haus).
- Nach Abschluss kann die Stadt eine Wertausgleichsabgabe von Grundstückseigentümern fordern.
3. Zeitdruck & Sanierungszwang
Die Kanäle müssen sofort und unmittelbar saniert werden – ein Aufschub ist unmöglich.
Dieser angebliche Notstand widerspricht dem geplanten Sanierungszeitraum von fünf Jahren. Auch die notwendigen Planverfahren für Fernwärmeleitungen dauern in der Regel Jahre und sind mit einem „sofortigen“ Handlungszwang nicht vereinbar.
Fazit: Die maroden Kanäle dienen als strategischer Hebel, um eine vollständige Umgestaltung ohne Alternativenprüfung zu forcieren.
4. Handel, Gastronomie & Identität
Die Sanierung erhöht die Aufenthaltsqualität und stärkt langfristig den Handel.
Jahrelange Bauphasen führen zu massiven Umsatzeinbußen. Vor allem die Außengastronomie ist existenziell bedroht, da Unterbrechungen während der Saison oft zur Geschäftsaufgabe führen. Gleichzeitig droht durch austauschbares Betonpflaster der Verlust der historischen Identität Wunstorfs.
5. Planung am Bedarf vorbei
Trotz Hinweisen der Werbegemeinschaft fehlt ein Unterflursystem zur Versorgung von Veranstaltungen (Märkte, Feste). Die Barrierefreiheit bei Events wird somit nicht verbessert, sondern vernachlässigt.
Fazit: Wichtige Funktionen für ein lebendiges Stadtleben wurden in der Planung schlichtweg vergessen.