Bürgerinitiative
Wunstorf
Innenstadt erhalten heißt Klima schützen
Umwelt

Autorin: Anja Coldewey

Gastbeitrag | 22. Januar 2026

Anja Coldewey

Hinweis: Dieser Beitrag gibt die persönliche Meinung der Autorin wieder.
Er wird veröffentlicht, um unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen.

Innenstadt erhalten heißt Klima schützen

Warum eine behutsame Sanierung der Wunstorfer Fußgängerzone nachhaltiger ist als ein kompletter Neubau

Ich schreibe diesen Beitrag nicht aus grundsätzlicher Ablehnung von Veränderung, sondern aus Sorge um das, was wir bereits haben – und was in Zeiten der Klimakrise besonders wertvoll ist. Die Diskussion um die geplante Neugestaltung der Wunstorfer Innenstadt wirft eine zentrale Frage auf:

Was ist wirklich nachhaltig – Abriss und Neubau oder Erhalt und Weiterentwicklung?

Nachhaltigkeit beginnt beim Erhalt

Ein grundlegender, oft übersehener Aspekt von Klimaschutz ist der verantwortungsvolle Umgang mit bestehenden Ressourcen. Jeder Quadratmeter Pflaster, der herausgerissen wird, jede Tragschicht, die neu aufgebaut wird, jedes Material, das produziert, transportiert und verbaut werden muss, verursacht CO₂.

Die klimaschonendste Baumaßnahme ist die, die möglichst wenig neu baut.

Der Erhalt des vorhandenen Pflasters mit punktuellen Verbesserungen ist aus Klimasicht fast immer besser als ein vollständiger Austausch – auch dann, wenn neue Materialien „moderner“ oder „schöner“ erscheinen.

Bäume sind kein austauschbares Gestaltungselement

Alte Bäume sind gewachsene Klimaanlagen. Sie spenden Schatten, kühlen ihre Umgebung, binden CO₂ und verbessern das Stadtklima messbar. Diese Wirkung lässt sich nicht kurzfristig ersetzen.

Neupflanzungen sind wichtig – aber sie benötigen Jahrzehnte, um annähernd die ökologische Leistung bestehender Bäume zu erreichen. Altbäume zu fällen und durch Jungbäume zu ersetzen ist kein Klimaschutz, sondern ein langfristiges Defizit.

Unsere Innenstadt lebt von Menschen – nicht von Entwürfen

Die Wunstorfer Innenstadt ist lebendig. Sie besteht aus Arbeitsplätzen – insbesondere vielen Frauenarbeitsplätzen, aus Ausbildungsplätzen, aus inhabergeführten Geschäften, aus Gastronomie und aus Orten der Begegnung. Hier entstehen Gespräche, soziale Kontakte, Gemeinschaft.

Eine jahrelange Großbaustelle gefährdet genau diese Strukturen – wirtschaftlich, sozial und menschlich. Nachhaltigkeit bedeutet deshalb auch: Bestehende soziale und wirtschaftliche Netzwerke zu schützen, statt sie einem langfristigen Umbau zu opfern, dessen Nutzen ungewiss ist.

Klimaschutz braucht ehrliche Bilanzen

Wenn große Umbauprojekte als Beitrag zum Klimaschutz dargestellt werden, braucht es Transparenz. Dazu gehört eine nachvollziehbare Klimabilanz, die offenlegt:

  • CO₂-Emissionen durch Abriss
  • Emissionen durch Neubau und Materialherstellung
  • Transport- und Bauemissionen
  • ökologische Verluste durch Baumfällungen

Ohne diese Betrachtung besteht die Gefahr, dass gut klingende Begriffe über reale Klimabelastungen hinwegtäuschen.

Weiterentwicklung ja – Zerstörung nein

Niemand stellt infrage, dass Innenstädte sich weiterentwickeln müssen. Aber Weiterentwicklung bedeutet nicht zwangsläufig Totalumbau. Eine behutsame Sanierung, der Erhalt funktionierender Strukturen, die ergänzende Begrünung, die Verbesserung von Aufenthaltsqualität ohne großflächigen Abriss sind Wege, die Klima, Wirtschaft und Stadtleben gleichermaßen berücksichtigen.

Fazit

Der Erhalt der Wunstorfer Fußgängerzone ist kein Rückschritt. Er ist ein verantwortungsvoller Schritt nach vorn. Echter Klimaschutz zeigt sich nicht in spektakulären Entwürfen, sondern in der Bereitschaft, Bestehendes wertzuschätzen, Ressourcen zu schonen und Menschen mitzudenken.

Deshalb setzt sich die BI Wunstorf für den Erhalt der Fußgängerzone ein. Für eine Innenstadt, die klimafreundlich, lebendig und sozial bleibt.

Anja Coldewey