Warum die Sanierung nur mit Transparenz und Risikobewusstsein verantwortbar ist
Die Diskussion um die Sanierung der Wunstorfer Fußgängerzone wird häufig mit Bildern von Aufwertung, Zukunftsfähigkeit und Förderung geführt. Was dabei bislang zu kurz kommt, ist eine offene Auseinandersetzung mit Kosten, Risiken und langfristigen Folgen. Gerade bei Projekten dieser Größenordnung ist Ehrlichkeit keine Option, sondern Pflicht.
Förderung ersetzt keine Kostenwahrheit
Immer wieder wird auf hohe Zuschüsse aus dem ISEK-Programm verwiesen. Fördermittel können sinnvoll sein – sie sind jedoch kein Freibrief. Denn sie decken nicht alle Kosten ab. Insbesondere infrastrukturelle Maßnahmen wie die Erneuerung der Kanalisation oder die Verlegung von Fernwärmeleitungen fallen nur teilweise oder gar nicht unter die Förderung.
Diese Kosten trägt am Ende die Stadt – und damit die Allgemeinheit. Eine ehrliche Debatte muss deshalb nicht nur über Fördersummen sprechen, sondern über den tatsächlichen Eigenanteil und seine Folgen für Haushalt, Verschuldung und künftige Handlungsspielräume.
Wer zahlt am Ende wirklich?
Was bislang kaum thematisiert wird: Ein erheblicher Teil der Kosten kann auf Grundstückseigentümer umgelegt werden. Kanalbaumaßnahmen dürfen beitragspflichtig sein. Fernwärmeanschlüsse sind für jedes Haus einzeln zu bezahlen – oft im fünfstelligen Bereich. Zudem können solche Anschlüsse per Satzung verpflichtend gemacht werden.
Auch eine nach Abschluss der Sanierung angenommene Wertsteigerung der Grundstücke kann zu weiteren finanziellen Forderungen führen. Für viele Eigentümer bedeutet das eine erhebliche, bislang unklare Belastung. Transparenz sieht anders aus.
Zeitpläne, die nicht zusammenpassen
Besonders problematisch ist das Fehlen eines schlüssigen Zeitkonzepts. Einerseits wird argumentiert, die Kanalisation sei so marode, dass sie sofort saniert werden müsse. Andererseits wird für die Innenstadtsanierung ein Zeithorizont von mehreren Jahren genannt.
Diese beiden Aussagen widersprechen sich. Gleiches gilt für die Verlegung von Fernwärmeleitungen, die umfangreiche Planungs- und Genehmigungsverfahren erfordert. Wenn angeblich alles „drängt“, aber gleichzeitig auf lange Sicht geplant wird, entstehen berechtigte Zweifel an der Realitätsnähe der Planung.
Bauzeit ist ein Risiko – kein Nebenaspekt
Großprojekte bergen Risiken: Verzögerungen, Nachträge, Kostensteigerungen. Erfahrungen aus anderen Kommunen – und auch aus bisherigen Projekten der Stadt – zeigen, dass Bauzeiten selten kürzer, sondern oft länger werden als angekündigt.
Jede Verlängerung bedeutet zusätzliche Kosten, weitere Belastungen für Betriebe und Anwohner sowie einen wachsenden Vertrauensverlust. Diese Risiken müssen offen benannt und realistisch bewertet werden – nicht beschönigt.
Einmal gebaut, jahrzehntelang gebunden
Was heute entschieden wird, prägt die Innenstadt für Jahrzehnte. Nachträgliche Korrekturen sind teuer oder praktisch unmöglich. Umso wichtiger ist es, Fehlentscheidungen zu vermeiden – etwa durch überpflegte Gestaltungselemente mit hohen Unterhaltskosten oder Materialien, die sich als anfällig erweisen.
Auch laufende Pflegekosten müssen Teil der Rechnung sein. Hochbeete, Pflanzflächen und neue Oberflächen erfordern dauerhaftes Personal und finanzielle Mittel. Ohne gesicherte Finanzierung entstehen schnell neue Problemzonen.
Fazit
Die Sanierung der Wunstorfer Fußgängerzone kann nur dann verantwortbar sein, wenn sie auf ehrlichen Zahlen, realistischen Zeitplänen und transparenten Entscheidungen basiert. Fördermittel, schöne Entwürfe und wohlklingende Begriffe ersetzen keine solide Kosten-Nutzen-Abwägung.
Wer jetzt entscheidet, trägt Verantwortung – nicht nur für das Erscheinungsbild der Innenstadt, sondern für die finanzielle Stabilität der Stadt und ihrer Bürgerinnen und Bürger. Diese Verantwortung verlangt Offenheit, nicht Beschwichtigung.
