Eine attraktive Altstadt besteht nicht nur aus Pflaster, Bänken und Grünflächen. Sie lebt von Menschen – und von den Geschäften, Cafés und Dienstleistern, die täglich für Frequenz sorgen. Genau deshalb betrachten wir die Auswirkungen der Altstadtsanierung auf den lokalen Handel als zentrale Frage – nicht als Randthema.
Was frühzeitig klar benannt wurde
Die wirtschaftlichen Risiken wurden früh angesprochen.
Die Werbegemeinschaft und einzelne Gewerbetreibende haben bereits frühzeitig auf mögliche Risiken hingewiesen:
- lange Bauzeiten
- eingeschränkte Erreichbarkeit
- unsichere Verkehrs- und Parksituation
- sinkende Laufkundschaft
Diese Hinweise waren keine pauschale Ablehnung, sondern der Versuch, wirtschaftliche Realität in die Planung einzubringen.
Warum Zeit für den Handel ein kritischer Faktor ist
Bauzeit entscheidet über wirtschaftliche Tragfähigkeit.
Für viele inhabergeführte Geschäfte gilt:
- Rücklagen sind begrenzt
- Umsätze hängen stark von spontanen Besuchen ab
- längere Durststrecken lassen sich kaum ausgleichen
Eine mehrmonatige Baustelle kann verkraftbar sein. Eine jahrelange oder abschnittsübergreifende Dauerbaustelle kann existenzbedrohend werden.
Geschäfte, die schließen, kommen in der Regel nicht zurück.
Gestaltung allein reicht nicht aus
Nutzung im Alltag ist entscheidend.
In der öffentlichen Diskussion steht häufig die spätere Aufenthaltsqualität im Mittelpunkt: mehr Grün, bessere Möblierung, neue Oberflächen.
Was dabei oft zu kurz kommt:
- Wie kommen Kunden während der Bauphase in die Stadt?
- Wie orientieren sie sich?
- Wie attraktiv bleibt ein Besuch, wenn Wege, Parken und Zugänglichkeit eingeschränkt sind?
Eine schöne Altstadt nach der Sanierung hilft wenig, wenn der Handel währenddessen verloren geht.
Fehlende Einbettung in Mobilitäts- und Nutzungskonzepte
Handel braucht funktionierende Rahmenbedingungen.
Aus Sicht der Bürgerinitiative fehlt bislang eine klare Verzahnung von:
- Altstadtsanierung
- Mobilitätskonzept
- Parkraumstrategie
- Erreichbarkeit für unterschiedliche Zielgruppen
Ohne diese Abstimmung bleibt unklar, wie die wirtschaftliche Basis der Innenstadt langfristig gesichert werden soll.
Warum dieses Thema mehr ist als eine Interessenfrage
Der Handel erfüllt eine gesamtstädtische Funktion.
Es geht hier nicht um Einzelinteressen. Der stationäre Handel erfüllt eine gesamtstädtische Funktion:
- Versorgung
- soziale Treffpunkte
- Belebung des öffentlichen Raums
- Identität der Innenstadt
Wenn diese Struktur geschwächt wird, verliert die Altstadt an Substanz – unabhängig davon, wie hochwertig sie gestaltet ist.

Unsere Haltung als Bürgerinitiative
Wirtschaftliche Realität muss Teil der Planung sein.
Wir sind:
- für eine attraktive, moderne Altstadt
- für eine Aufwertung des öffentlichen Raums
Wir sind aber auch:
- für wirtschaftliche Realitätsnähe
- für Bauphasen, die tragbar sind
- für Planung mit den Gewerbetreibenden – nicht über sie hinweg
Unsere Konsequenz
Handel muss während der Bauphase geschützt werden.
Bevor über Umfang und Tempo der Altstadtsanierung entschieden wird, braucht es:
- eine realistische Einschätzung der Bauzeitfolgen
- ein Konzept zur Sicherung der Erreichbarkeit
- konkrete Maßnahmen, um den Handel während der Bauphase zu stützen
Denn eine Altstadt ohne funktionierenden Handel lässt sich nicht „nachträglich reparieren“.
> Warum Parkraum, Erreichbarkeit und Stadtentwicklung zusammen gedacht werden müssen