Die Kanalsanierung in der Wunstorfer Altstadt ist fachlich notwendig – daran besteht kein Zweifel.
Wir als Bürgerinitiative erkennen ausdrücklich an, dass es sinnvoll sein kann, diese Maßnahme
in ein integriertes, förderfähiges Gesamtkonzept einzubetten. Problematisch wird es dort, wo daraus ein faktischer Entscheidungsdruck entsteht: Entweder das komplette Siegerprojekt wird jetzt akzeptiert – oder die Kanalsanierung müsse später als teures Einzelprojekt erfolgen. Diese Zuspitzung halten wir für nicht verantwortungsvoll.
Warum dieses Thema jetzt entscheidend ist
Kernaussage
Förderlogik und Bündelung sind sinnvoll – ersetzen aber keine Transparenz
und keine Variantenprüfung.
Die Notwendigkeit der Kanalsanierung steht außer Frage. Gerade deshalb ist eine klare Trennung entscheidend: zwischen dem Was (Kanäle sanieren) und dem Wie (Umfang, Tempo, Kombination mit anderen Maßnahmen). Aktuell verschwimmen diese Ebenen – mit weitreichenden Folgen für Planung, Kosten und Beteiligung.
Was wir ausdrücklich anerkennen
Kernaussage
Koordination kann sinnvoll sein – darf aber nicht als Alternativlosigkeit verkauft werden.
- Kanalsanierung und Oberflächengestaltung aufeinander abzustimmen,
- doppelte Bauarbeiten zu vermeiden,
- Infrastrukturmaßnahmen gebündelt zu planen.
Niemand möchte frisch sanierte Straßen kurze Zeit später wieder aufreißen.
Ebenso ist klar: Ein integriertes, förderfähiges Konzept kann städtische Eigenmittel reduzieren.
Bis hierhin besteht kein Dissens.
Wo aus fachlicher Logik politischer Druck wird
Kernaussage
Aus technischer Notwendigkeit wird ein faktischer Entscheidungszwang.
Problematisch wird es dort, wo die Kanalsanierung als Sachzwang genutzt wird, um:
- eine vollständige Altstadtsanierung durchzusetzen,
- den zeitlichen Druck massiv zu erhöhen,
- Alternativen faktisch auszublenden.
Zuspitzung
Entweder jetzt alles – oder später wird es automatisch teurer.
Fördervorteile sind möglich. Daraus folgt jedoch nicht, dass nur ein einziger Weg zulässig ist oder dass Bürger Entscheidungen „jetzt sofort“ mittragen müssen.
Muss wirklich die gesamte Altstadt gleichzeitig aufgerissen werden?
Kernaussage
Teilsanierung und Staffelung sind verantwortungsvolle Planung – keine Blockade.
Aus Bürgersicht
stellen sich bislang unbeantwortete Fragen:
- Gibt es sanierungsdringendere Kanalabschnitte als andere?
- Sind Teil- oder abschnittsweise Sanierungen technisch möglich?
- Lässt sich zeitlich staffeln, um Belastungen zu reduzieren?
- Welche Varianten wurden geprüft – und warum verworfen?
- Welche Alternativen wären förderlogisch denkbar?
Diese Fragen sind keine Verzögerungstaktik, sondern Voraussetzung für tragfähige Entscheidungen.
Die Perspektive der Gewerbetreibenden
Kernaussage
Lange Bauphasen sind für inhabergeführte Betriebe existenzbedrohend.
- langandauernde Baustellen,
- eingeschränkte Erreichbarkeit,
- sinkende Kundenfrequenz,
- erhebliche Umsatzeinbußen.
Gerade für inhabergeführte Betriebe können lange Bauphasen existenzbedrohend sein. Geschlossene Geschäfte lassen sich später nicht einfach „zurückholen“. Eine Altstadt lebt nicht nur von Gestaltung, sondern von funktionierendem Handel.
Bauzeit ist kein Nebenthema
Kernaussage
Je größer die Maßnahme, desto höher das Risiko irreversibler Schäden.
In der öffentlichen Diskussion steht häufig die Gestaltung im Vordergrund. Die Dauer und Organisation der Bauphase bleiben dagegen unterbelichtet – obwohl sie entscheidend sind für wirtschaftliche Schäden, Akzeptanz bei Bürgern und die langfristige Lebendigkeit der Innenstadt.
Warum wir von einem Zwangshebel sprechen
Kernaussage
Technischer Handlungsdruck darf politische Abwägung nicht ersetzen.
Der Sanierungsbedarf ist real.
Nicht alternativlos
ist jedoch der Schluss, daraus unmittelbar eine flächendeckende
Altstadtsanierung abzuleiten.
Notwendigkeit ist der Startpunkt – nicht das Argument, um Alternativen auszublenden.
Unsere Konsequenz
Forderung
Erst Varianten transparent machen – dann entscheiden.
- Darstellung aller technisch möglichen Varianten,
- Bewertung der wirtschaftlichen Auswirkungen,
- realistische Bauzeit- und Belastungsplanung,
- Einbettung in eine öffentlich nachvollziehbare Gesamtstrategie (ISEK).
Schlusssatz
Notwendig ist nicht automatisch das, was am größten, teuersten oder schnellsten umgesetzt wird – und Förderlogik ersetzt keine Transparenz und Abwägung.